Ältere Menschen bilden keine einheitliche Gruppe, denn Alter allein sagt wenig über ihre Fähigkeiten und Lebenssituationen aus. Besonders wichtig für das Lernen im Alter ist das eigene Altersbild: Wer sich selbst als aktiv, belastbar und lernfähig wahrnimmt, ist eher bereit, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Ein negatives Altersbild kann dagegen zu Unsicherheit, Rückzug und Resignation führen. Wie Menschen ihr eigenes Alter erleben, entwickelt sich über viele Jahre und wird durch ihre Biografie, soziale Erfahrungen und frühere Lernerlebnisse geprägt.
Zum Schwerpunktthema „Lernen im Alter – … und danach nichts mehr?“
Bildung für alle ermöglichen
Christina Münk/Simon Konermann
Bildung ist ein Menschenrecht ñ lebenslang. Sie muss daher auch für Ältere Menschen ein zentraler Bestandteil bleiben. Selbstbestimmung, gesellschaftliche Teilhabe und nicht zuletzt die Förderung der Demokratie werden so gestärkt. Dafür setzt sich die BAGSO – Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen ein.
Die Vielfalt des Lernens im Alter fördern
Christina Münk
Lernen im Alter funktioniert nicht, wie oft behauptet, schlechter. Lernfähigkeit, das bestätigt die Neurowissenschaft, bleibt bis ins hohe Alter erhalten. Aber Lernen im Alter funktioniert anders. So verändern sich die Lernanlässe, aber auch die kognitiven Prozesse. Die Förderung der Vielfalt des Lernens im Alter ist daher das Anliegen der BAGSO-Servicestelle – Bildung und Lernen im Alterì.
Punkt – Linie – Fläche – Raum
Katja von den Benken
Nachhaltiges Lernen im Alter geschieht hauptsächlich als Bewusstseinsbildung im analogen zwischenmenschlichen Raum. Davon geht die Anthroposophische Kunsttherapie aus und setzt das Formenzeichnen als therapeutische Methode, auch in der Altenhilfe, ein. So ermöglicht die Arbeit mit Punkt, Linie, Raum und Bewegung Orientierung und bietet eine Basis, um Selbstwirksamkeit, Vitalität und Würde im Alter gezielt zu fördern – auch bei kognitiven Defiziten.
Zukunft kennt kein Rentenalter
Stephanie Wössner
Eine Gesellschaft des langen Lebens braucht ein neues Bildungsverständnis. Aber das Lernen und der Wert Älterer Menschen darf, auch angesichts der aktuellen Rentendebatte, nicht an Nützlichkeit im Sinne von Systementlastung gebunden werden. Lernen soll Lebensfreude und Handlungsfähigkeit fördern, um Selbstbestimmung und Mitgestaltung zu ermöglichen. Daraus kann sich dann womöglich ein gesellschaftlicher Gewinn ergeben.
außerdem:
Interview mit Lutz Karnauchow, domino-coaching Stiftung
“Wir m¸ssen ganz von vorne anfangen und müssen das Altersbild ändern.“
Viele Menschen, auch in der Altenpflege, gehen noch immer von einem Altersbild aus, das ältere schnell abschreibt und nicht daran glaubt, dass sich, beispielsweise nach einem Schlaganfall, noch etwas zum Besseren verändern könnte. Damit wollte sich Lutz Karnauchow und Petra Thees nicht abfinden und haben das Konzept „Rehabilitation vor Pflege“ entwickelt. Mit konsequentem Bewegungstraining und speziellen Kommunikationsmethoden kann es dabei sogar gelingen, dass alte Menschen wieder in die Selbstständigkeit nach Hause zur¸ckkehren können.