Sprachenlernen verändert sich durch digitale Technologien grundlegend: KI und Übersetzungstools erleichtern zwar vieles, ersetzen aber nicht das, was Sprachkompetenz im Kern ausmacht. Neben dem funktionalen Umgang mit Texten geht es um menschliche Interaktion, kulturelles Verständnis, Empathie und echte Dialogfähigkeit, die das Gegenüber als Person anerkennt und Vorurteilen entgegenwirkt. Damit wird Sprachenlernen auch zu einer gesellschaftlichen und politischen Kompetenz, die in einer global vernetzten Welt wichtiger denn je ist. Das Heft lädt ein, Sprachenlernen neu zu denken, zeigt Reaktionen von Bildungsinstitutionen, beleuchtet Chancen und Herausforderungen von KI und betont Mehrsprachigkeit als Schlüssel für Teilhabe und eine menschliche Zukunft über Worte hinaus.
Zum Schwerpunktthema “Beyond Words – Die Zukunft des Sprachenlernens”
Mehr als Vokabeln und Grammatik
Stephan Rinke
Sprachkompetenz bedeutet Teilhabe und stärkt den Zusammenhalt der Gesellschaft. Obwohl es mittlerweile eine Vielzahl an Sprachlern-Apps sowie KI-Dolmetschern gibt, bleiben Orte der Begegnung und des Lernens, wie zum Beispiel die Volkshochschulen, unverzichtbar.
Sind Fremdsprachenunterricht und -lehrkräfte an den Schulen noch nötig?
Andreja Retelj/Beate Lindemann
Fremdsprachenlernen ist ein ganzheitlicher Bildungsprozess. Dabei wird nicht nur die Mehrsprachigkeit gefördert, sondern ebenso die interkulturelle Kompetenz, Reflexionsfähigkeit sowie demokratische und digitale Teilhabe. Schulische Sprachbildung spielt dabei eine zentrale Rolle, wie die Beispiele Norwegen und Slowenien zeigen.
Stärken und Schwächen erkennen
Alexander Pfeiffer/Thomas Wernbacher
Gelungene Gamification soll Gutes bewirken. Sie muss freiwillig sein, positive Werte vermitteln und nicht dazu verleiten, ständig genutzt zu werden. An der Sprachlern-App Duolingo wird deutlich wie gut, aber auch problematisch Gamifikationsmechanismen erfahren werden und wirken können.
Austauschprogramme sind gerade im Zeitalter von KI unverzichtbar
Ajkuna Hoppe
Sprachen lernt man am besten vor Ort, im authentischen kulturellen Kontext. Das Austauschprogramm GAPP (German American Partnership Program) ermööglicht Jungendlichen aus Deutschland und den USA Aufenthalte in dem jeweiligen Partnerland. Dabei erwerben die jungen Menschen auch kulturelle und soziale Fähigkeiten, Empathie, Toleranz und kritisches Denken.
Von Risiken und Nebenwirkungen
Ekkehard Nuissl
Mehrsprachigkeit ist in vielerlei Hinsicht ein Vorteil, individuell, beruflich, sozial und sogar gesundheitlich, wie eine aktuelle Studie herausgefunden hat.
Andererseits bringt das Sprachenlernen auch gewisse Risiken und Nachteile mit sich.
außerdem:
Matthias von Gehlen, Bereichsleiter Bildungskooperation Deutsch, Goethe Institut e.V.:
„Sprache transportiert immer mehr als rein funktionale Sprachkenntnisse.“
Dass Sprachenlernen mehr bedeutet als nur Vokabeln und Grammatik, macht das Goethe-Institut in seinen Programmen „Deutsch als Fremdsprache“ deutlich. Durch Vermittlung eines Verständnisses für kulturelle Unterschiede in Denkweisen, Traditionen und Kommunikationsstilen, aber auch durch Themen wie Diskriminierung und der Umgang damit sollen Lernende ein möglichst ganzheitliches Bild von Deutschland erhalten.