Grundlagen der Weiterbildung 06/2001: Unsichtbare Weiterbildung

29,00 32,00 

Unsichtbare Weiterbildung

Unsichtbare Weiterbildung – Bürgergesellschaft – Unternehmertum
Das (Nicht-)Wissen über die eigenen Fähigkeiten
Analyse der Beispiele
Ich seh‘ etwas, was Du nicht siehst –
Zur politischen Bildungsarbeit mit Jugendlichen gegen Rassismus
Lernen, damit sich die Gesellschaft entwickelt
Vom Alternativen Vorlesungsverzeichnis zur Lindenfelser Bürgerquelle
„Unsichtbare WB“ in und durch Bibliotheken
Internet-Führerschein für Senioren
Auswertung der Antragsrunde 2001 LEONARDO DA VINCI II – Verfahren B
Zum Beispiel: FRAUENSERVICEG RAZ –
Weiterbildung im Straf- und Maßnahmenvollzug
Liebesszenen in der Weiterbildung

Artikelnummer: wb_2001-06 Kategorien: , , , ,

Beschreibung

Angeblich ereignen sich geheimnisvolle Dinge in der Weiterbildung: Lernen sei implizit, unbewusst und von den Akteuren nicht bemerkt. Was vorher wahrnehmbar, beobachtbar und erfassbar war, scheint zunehmend unsichtbar zu werden.

Sollte Weiterbildung tatsächlich unsichtbar sein, stellt sich die Frage, mit welchen Methoden sie erfassbar ist und in welchen Formen sie auftritt.

Die Beiträge des Heftes beleuchten diese Fragen, indem sie konkrete Beispiele untersuchen und theoretisch orientierte Artikel eine begriffliche Erschließung des Phänomenbereichs anstreben.

In der aktuellen Ausgabe der Weiterbildung lesen Sie u.a. folgende Beiträge:

Unsichtbare Weiterbildung – Bürgergesellschaft – Unternehmertum

Allenthalben fordern Politiker jeglicher Couleur die Bürger auf, zur Verwirklichung gemeinschaftlicher Ziele beizutragen. Ein neues Schlagwort macht die Runde:  „Bürgergesellschaft“. Ob gegen Rechtsradikalismus oder Ausländerfeindlichkeit: durch engagierte Bürgergesellschaft sollen Bewusstseinsprozesse positiv beeinflusst werden, also Lernen ermöglicht werden. Die traditionellen Organisationen der Erwachsenenbildung scheinen hierfür kein ausreichender Garant zu sein. Es lohnt sich, darüber nachzudenken und den Begriff sowie die dahinter stehenden Absichten zu entzaubern, um das herauszufinden, was geboten ist: sich der Chancen, aber auch der Schwierigkeiten und Lernorte gesellschaftlichen Engagements bewusst zu werden. Ist auch das unsichtbare Weiterbildung?

Das (Nicht-)Wissen über die eigenen Fähigkeiten

Bernd Cäsar* ist eine von 27 Personen, die ich im Rahmen des DIEProjektes TRANS interviewt habe. Mit insgesamt 250 seiner Kolleginnen und Kollegen gehört er zu denjenigen, die kurz vor dem Interview erfahren haben, dass sie in wenigen Wochen ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Das Metall verarbeitende Unternehmen, in dem Bernd Cäsar seit 17 Jahre arbeitet, baut Personal ab. 1 Bis zu dieser Entlassungswelle war die Firma WHM* eine der größten Arbeitgeberinnen ihrer Region. Auftragsrückgang und Umstrukturierung führten zu dieser Maßnahme, die u.a. die Verlagerung von Produktionssegmenten in andere Regionen umfasst.

Analyse der Beispiele

Ausgehend von zwei Passagen aus Interviews der Forschungsgruppe LOS (Lernen, Organisiert & Selbstgesteuert) wird ein Rahmenmodell für Handeln und Lernen erarbeitet und gezeigt, dass Lernen immer informell ist. Insofern sollte zutreffender von Lernen unter formellen, non-formellen und informellen Umgebungsbedingungen gesprochen werden, unter denen explizites, beiläufiges und implizites Lernen in unterschiedlichen Ausmaßen stattfindet. Anhand dieser Kategorien wird versucht, Beiträge dieses Themenhefts einzuordnen und auf Mythen verwiesen, die einigen Formen des Lernens anhaften.

Ich seh‘ etwas, was Du nicht siehst –

Es ist zunächst eine gute Idee, sich auf die Suche nach Anlässen, Orten und Formen des Lernens, vielleicht auch der Bildung Erwachsener zu begeben, die bislang nicht gesehen werden. Ließe sich doch, langen Atem unterstellt, auf diese Weise allmählich das Terrain einer „entgrenzten“ Weiterbildung (Jochen Kade) neu vermessen. Es ist aber gleichzeitig ein seltsames Unterfangen, über Unsichtbares berichten zu wollen, setzt dies doch zwingend voraus, dass es nicht wirklich unsichtbar ist. Mindestens die Berichterstatter müssen es sehen und man ahnt es von vornherein: sie werden nicht die einzigen sein. Also muss – im Blick auf die vorliegenden Artikel – in verschiedenen Hinsichten nachgefragt werden, was mit „unsichtbarer Weiterbildung“ gemeint ist.

Zur politischen Bildungsarbeit mit Jugendlichen gegen Rassismus

Sozialwissenschaftliche Begriffe wie „postmoderne Informationsgesellschaft“, „High-Tech- oder Turbokapitalismus“, „Globalisierung“, „Neoliberalismus“, „Neue Unübersichtlichkeit“ oder „Risikogesellschaft“ paraphrasieren jenen Kontext, welcher die „Krise des Politischen“ bedingt und einrahmt. Der Terminus „Krise“ scheint ohnehin längst zur universellen Signatur für nahezu alle Lebensbereiche unserer postmodernen Modeme avanciert zu sein: von der multiplen Sinnkrise des an „Überzähligkeitsangst“ leidenden Individuums über die Beziehungskrisen von Paaren, Krisen des Schul- und Bildungssystems, Wirtschaftskrisen mit negativen Auswirkungen auf Arbeitsmärkte bis zu nationalen und supranationalen Dauerkrisen auf unserem Erdball, der aus ökologischer Perspektive gar eine Existenz- und Überlebenskrise mit ungewissem Ausgang zu bestehen hat. Die omnipräsente Krise firmiert als jener „rote Faden“, der die Welt in ihrem Innersten zusammenhält, als raunende Geheimsprache über dem Weltganzen und aller seiner Teile.

Lernen, damit sich die Gesellschaft entwickelt

Städte und Gemeinden müssen sich gleichermaßen wirtschaftlichen wie sozialen und ökologischen Herausforderungen stellen. Kommunale Verwaltung, politische Führung und Bürgerschaft müssen zusammenarbeiten, soll das Wissen und die Problemlösekompetenz möglichst vieler Bürger und Bürgerinnen einbezogen und die Entscheidungen der Stadtverwaltungen auf eine breite Grundlage gestellt werden. Die Beschäftigung mit Sachfragen, die Koordination zwischen verschiedenen Akteuren und die Vermittlung bei Konflikten erfordert von allen Beteiligten auch selbst organisiertes Lernen.

Vom Alternativen Vorlesungsverzeichnis zur Lindenfelser Bürgerquelle

Wie eine selbstorganisierte Erwachsenenbildung aussieht, die sich den ökonomischen und globalisierten Modernisierungsschüben stellt, wird an zwei Selbsthilfeinitiativen untersucht. Dabei werden die zivilgesellschaftlichen Regeln einer Erwachsenenbildung herausgearbeitet, die entschult, gesellig, mutualistisch, glokalisiert, regionalisiert, nachhaltig und wie ein Sauerteig wirken.

„Unsichtbare WB“ in und durch Bibliotheken

Die Entwicklung neuer Formen der Weiterbildung wird nicht zuletzt durch die Diskussion um die Förderung des lebenslangen Lernprozesses als eine zentrale Aufgabe im Bildungsprozess betrachtet. Dabei treten auch vermehrt Lernorte ins Blickfeld, die bislang nicht als solche wahrgenommen wurden. Einer dieser „neuen“ Lernorte muss sicherlich in den Bibliotheken gesehen werden. Dort stellt sich zunehmend die Frage, wie Menschen in ihrem individuellen Lernbedürfnis unterstützt werden können. Im Gegensatz zum vornehmlichen Engagement von Bibliotheken im Bereich der Bereitstellung von digitalen Informationen, beschäftigt sich das im Folgenden dargestellte Projekt mit dem Aspekt der Motivation von Lernern und der daraus abgeleiteten Inszenierung von zielgruppenspezifischen Lernarrangements.

Internet-Führerschein für Senioren

Auf ganz neuen Wegen sollen interessierte ältere Menschen an den Computer und an das Medium Internet heran geführt werden: Schülerinnen und Schüler des Stuttgarter Berufskollegs Institut Dr. Flad, die selbst noch in der Ausbildung stehen, betreuen als Paten die Senioren und begleiten sie ganz individuell auf ihrem Weg durch die Grundoperationen am Computer. Derart vorbereitet können die Senioren dann die Angebote des neu gegründeten SeniorenNet aktiv nutzen und mitgestalten und ihrerseits neue soziale Kontakte über ihr Hobby aufbauen.

Auswertung der Antragsrunde 2001 LEONARDO DA VINCI II – Verfahren B

Ab November d.J. beginnen die in der Antragsrunde 2001 bewilligten 26 nationalen Projekte mit ihrer Projektarbeit; das sind im Einzelnen 23 Pilotprojekte, ein Transnationales Netz und zwei Projekte der Maßnahme Sprachenkompetenz; letztlich wurden von ca. 230 Voranträgen in einem zweistufigen Auswahlverfahren 26 Projekte bewilligt. Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Erfolgsquote positiv: im Jahr 2000 konnte Deutschland die meisten bewilligten Pilotprojekte aufweisen, 2001 lag Deutschland gemeinsam mit Italien (26) vor dem Vereinigten Königreich (21) und Frankreich (21). Das Budget der deutschen Projekte liegt im Durchschnitt erheblich über dem der italienischen Antragsteller.

Zum Beispiel: FRAUENSERVICEG RAZ –

Die Theorie und Praxis feministischer Bildungsarbeit ist nach wie vor eine Gratwanderung zwischen Widerstand und Anpassung. Als Beispiel für eine Bildungseinrichtung, die trotz knapper finanzieller Ressourcen innovative Bildungsprojekte entwickelt und durchführt, wird das Projekt FRAUENSERVICEG raz vorgestellt.

Weiterbildung im Straf- und Maßnahmenvollzug

Das Gefängnis ist gegen außen – je nach der Vollzugsart der Institution – fast hermetisch abgeschlossen, und prägt dadurch sowohl die Insassen wie die Mitarbeiter. Weiterbildung im Straf- und Maßnahmenvollzug ermöglicht Gegensatz-Erfahrungen zu machen: Erfahrungen, die der Prisonisierung, d.h. den Prozessen der Assimilation an die vor allem negative Gefängniskultur, entgegenstehen.

Liebesszenen in der Weiterbildung

Sie schaut ihn an. Er blinzelt mit den Augen, lächelt ihr zu. Sie geht zu ihm an den Tisch. Ein Gespräch beginnt. Sie gefallen sich offensichtlich, schmunzeln, scherzen. Ihre Blicke sagen weit mehr als ihre Worte … „Stopp!“ ruft ein Herr. Er ist etwa Mitte vierzig, gut gekleidet und war bis zu diesem Zeitpunkt eher zurückhaltend. Jetzt aber stürmt er nach vorne zu dem Paar, das wie vom Blitz getroffen in seiner Position erstarrt ist. Er stellt sich hinter den Mann, legt ihm die Hand auf die Schulter und sagt: „Das werden wir ja sehen, wer die Leitungsstelle bekommt – er oder ich!“. Da erhebt sich eine ebenso gut gekleidete Dame, tritt hinter die Frau, legt ihr die Hand auf die Schulter und sagt: „Ich weiß doch genau, worauf das hinauslaufen soll, aber gefallen tut er mir trotzdem!“

Zusätzliche Information

Ausführung

Digitalausgabe, Printausgabe

Format

280 x 210mm

Druck

Komplett in Farbe!

Titel

Nach oben