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Grundlagen der Weiterbildung 05/2004: Ethik in der Weiterbildung

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Ethik in der Weiterbildung

Ethik – ein Prinzip des Systems Weiterbildung
Ein kanadischer Forschungsverbund geht neue Wege
Überlegungen zum Stellenwert der Ethik in der Ausund Weiterbildung
Werteorientierungsbasis für Anbieter und Nachfrager
Zur Ethik der Erwachsenenbildung in Forschung und Praxis
Ethik in der Trainingspraxis
Kritische Betrachtung ethischer Berufsgrundsätze
Ethische Fragen in der christlichen Weiterbildung
Forum Werteorientierung in der Weiterbildung e.V.
Programmplanungsethik in der Erwachsenenbildung
Das Zürcher Nachdiplomstudium „Master of Advanced Studies in Applied Ethics“
Moralische Kompetenz wird vorausgesetzt

Artikelnummer: wb_2004-05 Kategorie:

Beschreibung

In der aktuellen Ausgabe der Weiterbildung lesen Sie u.a. folgende Beiträge:

Interview mit Rita Süssmuth:

Ethik – ein Prinzip des Systems Weiterbildung

Ein kanadischer Forschungsverbund geht neue Wege

Es ist auch in Deutschland keineswegs außergewöhnlich, dass Gewerkschaften und Wissenschaft kooperieren. Gerade auch im Bereich der beruflichen Bildung ist die Zusammenarbeit erprobt. Dennoch ist es für unsere Verhältnisse eher ungewöhnlich, was zurzeit im Rahmen eines größeren Forschungsvorhabens zum Thema Arbeiten und Lernen in Kanada geschieht. Nicht nur deswegen könnten die dortigen Ansätze für die deutsche Diskussion wichtige Impulse liefern. Die kanadischen Forschungsaktivitäten sind inhaltlich mit verschiedenen deutschen Debatten verknüpft, ohne dass von unserer Seite bisher auf deren Ergebnisse in größerem Maße Bezug genommen wird. Dabei gibt es durchaus anschlussfähige Debatten über das Lernen in der Arbeit, in Betrieben der Informationstechnologie, im sozialen Umfeld oder dem Ehrenamt.

Überlegungen zum Stellenwert der Ethik in der Ausund Weiterbildung

Jede Form von Bildung ist eine Investition in die Zukunft und hat Folgen für die Gestaltung der Zukunft von uns allen. Es kann deshalb nicht einfach dem Markt und dem Gesetz von Angebot und Nachfrage überlassen werden, welche Ziele und welche Resultate diese Investitionen haben sollen. Die normativen Fragen, die sich bei der Definition von Zielen und Werten stellen, sind ethischer Natur, und es wäre naiv oder zynisch, unsere Zukunft allein von der Moral der Kaufkraft bestimmen zu lassen. Die Ethik, verstanden als Reflexion über Normen, Sinn- und Wertfragen, über Prinzipien und Verantwortung, trägt dazu bei, Grundlagen für gute Entscheide zu schaffen. Damit diese Reflexion nicht nur theoretische Bedeutung hat, ist es notwendig, dass jeder Akteur (der Einzelne, die Bildungsinstitution, der Staat/die Gesellschaft) sich bewusst wird, welche spezifische Verantwortung er in seinem Bereich hat und wie er sie wahrnehmen kann. Ebenso wichtig ist die Einsicht aller Akteure, dass nur Zusammenarbeit und Vernetzung auf allen Ebenen Erfolg haben kann. Gemeint ist ein Erfolg nicht nur im ökonomischen, sondern auch im ethischen Sinn, weil er den legitimen Interessen aller Anspruchsgruppen Rechnung trägt.

Werteorientierungsbasis für Anbieter und Nachfrager

Zur Sicherung einer qualitäts- und werteorientierten Weiterbildung wurde bereits in den 1990er Jahren von Seiten der Weiterbildungsanbieter in Zusammenarbeit mit Juristen, Politikern, Theologen und Institutionen der „Berufskodex für die Weiterbildung“ erstellt. Dieser Kodex bietet Orientierungshilfe für das ethische Denken und Handeln aller in der Weiterbildung Tätigen und nimmt diese gleichermaßen in die Pflicht, die ethisch-moralische Qualität ihrer Leistungsangebote gegenüber den Nachfragern offen zu legen.

Zur Ethik der Erwachsenenbildung in Forschung und Praxis

Fragen der Ethik werden immer wichtiger. In Umwelt, Ökonomie, Politik und Biologie – um nur einige Felder zu nennen – stehen sie immer grundsätzlicher zur Debatte. Die Legitimation des IrakKrieges, der Verbrauch der Umwelt, die Genmanipulation sind aktuelle Beispiele für ethische Probleme. Sie sind umso weitreichender, als unsere Welt immer verwissenschaftlichter wird. Menschen sind davon abhängig, dass andere ihre Handlungen nach ethischen Prinzipien ausrichten, dass Wissenschaft, Forschung und Bildung auf den gemeinsamen Werten basieren, die eine humane Gesellschaft begründen und lebensfähig machen. Diese ethischen Prinzipien enthalten eine Verantwortung in drei Richtungen: den wahrhaftigen Umgang mit dem Gegenstand, die Sicherheit im eigenen Bewusstsein und das begründete Urteil der anderen.

Ethik in der Trainingspraxis

Alle Weiterbildungsverbände fordern Trainingsethik von ihren Mitgliedern ein. Gleichwohl können Gremien keine Trainingsethik in Form eines Normenkatalogs verordnen; Trainingsethik appelliert vielmehr an die Aufmerksamkeit, den guten Willen und die Gesinnung der Trainer, Werte und Verhaltensweisen in der Berufspraxis zu beachten (Charakterethik) und die Auswirkungen des beruflichen Tuns zu bedenken (Verantwortungsethik). So stellt sich die Frage: Was zeichnet die Ethik des Trainers in seinem Berufsfeld tatsächlich aus?

Kritische Betrachtung ethischer Berufsgrundsätze

Wenn wir uns am Duden orientieren, ist ethisches Handeln „… die von Verantwortung und Verpflichtung anderen gegenüber getragene Lebensführung.“ Insofern wäre es einfach, Ethik in der täglichen Arbeit zur Richtschnur allen Handelns zu machen. Bei einer kritischen Betrachtung des Umgangs miteinander in unserer Zeit ergeben sich allerdings Fragen wie z.B. folgende:

Ethische Fragen in der christlichen Weiterbildung

In der öffentlichen Weiterbildungsdebatte haben wir uns in einer gesellschaftlichen Phase dynamischer globaler ökonomischer Konkurrenz und der fortschreitenden „Vermarktlichung“ bzw. Privatisierung von Weiterbildung unter dem Etikett des „lebenslangen Lernens“ allenfalls auf einen Qualifikationskonsens verständigt. Und wir haben uns mit dem Argument der Eigenverantwortlichkeit und Marktorientierung der dringend notwendigen Debatte über ein zukünftiges Bildungsverständnis in unserer Gesellschaft verweigert. Verbunden mit der Verweigerung ist nun zunehmend die bittere Erkenntnis, dass die Weiterbildungspolitik mit ihrer Ressourcensteuerung vor allem auf kurzfristige berufliche Anpassungsqualifikationen setzt und damit einen verengten Lern- und Bildungsbegriff propagiert, der zum einen das kulturelle Klima der Gesellschaft verändert und zum anderen schwer schätzbare gesellschaftliche, politische und nicht zuletzt ökonomische Folgekosten produzieren wird.

Forum Werteorientierung in der Weiterbildung e.V.

»Sie können in Deutschland keinen Liter Milch kaufen, ohne dass draufsteht, was drin ist. Aber es gibt Seminare, die die Psyche des Menschen elementar verändern, ohne dass die Anbieter sagen müssen, welche Ausbildung sie haben, welche Methoden sie anwenden, welches Ziel ein Seminar hat und wie viele Seminare ich brauche, um das Ziel erreichen zu können«, so Renate Rennebach, 1996, Mitglied der Enquete-Kommission des deutschen Bundestags „So genannte Sekten und Psychogruppen“. Eine Aussage, die ebenfalls für einen nicht geringen Teil der Weiterbildung in Deutschland galt und nicht selten auch noch heute zutrifft.

Programmplanungsethik in der Erwachsenenbildung

Als die Lehre vom Guten verstanden, spielte Ethik in der Frühzeit der modernen Volksbildung eine bedeutende Rolle. Viele aus dem Bürgertum kommende Volksbildner/innen ließen sich in ihrem Engagement von ethischen Überlegungen leiten, die nicht selten missionarische Aktivitäten begünstigten. Häufig war Ethik selbst Thema volksbildnerischer Veranstaltungen. Am Beginn des 21. Jahrhunderts ist von all dem in der zum lebenslangen Lernen mutierten Erwachsenenbildung kaum mehr die Rede. Erwachsenenbildung, die sich professionalisiert und auf Qualitätsentwicklung setzt, wird zu einer Dienstleistung und Managementaufgabe. Weder eine gesellschaftliche noch eine individuelle
Ethik beanspruchen im Konzept des lebenslangen Lernens einen Platz. Vielmehr geht es um vorwiegend kurzfristige Nützlichkeitserwägungen. Für die Erwachsenenbildung führt das zu tief greifenden Auswirkungen auf die Programme. Längerfristige gesellschaftliche Bildungsziele, jenseits von Qualifizierung, verflüchtigen sich.

Das Zürcher Nachdiplomstudium „Master of Advanced Studies in Applied Ethics“

Das Ethik-Zentrum der Universität Zürich bietet seit 1999 ein berufsbegleitendes Nachdiplomstudium in Angewandter Ethik an, das mit dem Titel „Master of Advanced Studies in Applied Ethics“ abgeschlossen wird. Der Kurs will Berufspersonen aus den unterschiedlichsten Tätigkeitsbereichen die Grundlagen der Ethik und deren Anwendung in der Praxis vermitteln und sie zu ethischer Expertise befähigen. Um dieses Ziel gemeinsam mit den Studierenden zu erreichen, ist ein Curriculum entwickelt worden, dessen Module mit speziell auf die Lehrinhalte zugeschnittenen Didaktikmethoden vermittelt werden.

Moralische Kompetenz wird vorausgesetzt

Unter Humankapital verstehen wir die Gesamtheit menschlicher Arbeitskraft, aus der ein Unternehmen besteht. Im Rahmen der Corporate Governance Diskussion wird gefordert, dass Aufsichtsrat und Vorstand regelmäßig über Umgang und Mehrung von Wissen, Können und Verhalten ihrer Mitarbeiter Rechenschaft ablegen. Dies soll mit der gleichen Sorgfalt, Konsequenz und Publizität wie beim Finanzkapital geschehen. Eine derartige Verpflichtung wird durch die aktuelle Diskussion um die Maßstäbe des Handelns von Personalverantwortlichen unterstützt.

Zusätzliche Information

Ausführung

Digitalausgabe, Printausgabe

Format

280 x 210mm

Druck

Komplett in Farbe!

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