Grundlagen der Weiterbildung 02/2004: Entgrenzung: neue Lernfelder, neue Lernorte

29,00 32,00 

Entgrenzung: neue Lernfelder, neue Lernorte

Mehr „Lust auf Lernen“
Institutionalisierungsformen der Erwachsenenbildung
Mitmach-Ausstellung für Kinder und Erwachsene
Für kleine Forscher und Erfinder
BR-alpha – der Bildungsfernsehsender des Bayerischen Rundfunks
Entgrenzung des Lernens
Nachhaltiges Lernen in Erlebniswelten?
Chancen formal organisierten Lernens
Der Erfolg von ECSITE
Villa Hartenau
Tourismus auf neuen Wegen
Bildung oder Einbildung?
Lernen mit allen Sinnen
Untersuchung entgrenzter Lernformen

Artikelnummer: wb_2004-02 Kategorien: , , , , ,

Beschreibung

Die Informationsflut hat die Gesellschaft in einen Strudel gezogen, und das Informationsverhalten hat sich radikal verändert. Die nahezu unbegrenzte Verfügbarkeit von Informationen zwingt zu rigoroser Selektion.

Die institutionalisierte Weiterbildung steht vor der Frage: Ist sie Animator, Berater oder eine große Erledigungsmaschinerie? Bildung wird zunehmend zum Schlüsselfaktor für erfolgreiche Lebensqualität.

Die Funktion des Wissens hat sich verändert: Relevanz und Nutzen stehen im Vordergrund. Wissen muss einen Bezug zur Lebenswelt haben und aus aktiver Beteiligung der Lernenden hervorgehen.

Ruth Kaiser betont, dass institutionalisiertes Lernen trotz aller Veränderungen unersetzbar bleibt.

In der aktuellen Ausgabe der Weiterbildung lesen Sie u.a. folgende Beiträge:

Interview mit Günther Dohmen:

Mehr „Lust auf Lernen“

Institutionalisierungsformen der Erwachsenenbildung

Nach einer Phase der Institutionalisierung und Ausdifferenzierung gerät die Erwachsenenbildung heute unter der Perspektive des lebenslangen Lernens Erwachsener stärker in den Blick. Der Beitrag zeichnet diese Entwicklungslinie nach und beschreibt die lnstitutionalisierungsformen des Lernens Erwachsener unter den Bedingungen von Entgrenzung. Zugleich versucht er, die Grenzen der Entgrenzung aufzuzeigen, indem er die gewandelte Erwartungsstruktur im Verhältnis von Erwachsenenbildung und Individuum beleuchtet.

Mitmach-Ausstellung für Kinder und Erwachsene

Science Center, naturwissenschaftliche Ausstellungen, Wissenschaftsshows und Science Festivals haben Hochkonjunktur. Auf den ersten Blick scheinen diese Aktionen und Initiativen Kinder und Jugendliche, Schüler und potenzielle Studierende anzusprechen. Diese Wahrnehmung, die sich beispielsweise auch in der Berichterstattung widerspiegelt, basiert nicht zuletzt auf einem der Hauptgründe der Popularisierung von Wissenschaft: niedrige Studierendenzahlen und fehlender Nachwuchs in den Natur- und Ingenieurwissenschaften. Im Universum® Science Center Bremen zeigt die tägliche Praxis jedoch, dass auch Erwachsene gerne und erfolgreich spielerisch lernen. Warum werden Kinder und Erwachsene durch diese Mitmach- Ausstellung gleichermaßen angesprochen? Welche lerntheoretischen Grundlagen sind in der
Ausstellung umgesetzt und wie zeigt sich das Konzept des „lebenslangen Lernens“?

Für kleine Forscher und Erfinder

Eigentlich wollten wir ja mit dem „Kinderreich“ in unser Jubiläumsjahr hineinfeiern. Statt Ende November 2002 eröffneten wir es jedoch erst Anfang Februar 2003 und verlegten den Auftakt kurzerhand in die frühherbstliche Wissenschaftspressekonferenz, aus der das ganze Jahr über geradezu euphorische Artikel flossen. Hineinfeiern konnten wir dann noch mehrfach, etwa mit der beispielhaft intelligenten Klimaausstellung oder dem passend ins Weihnachtsgeschäft platzierten ersten Bildband über das Deutsche Museum.

BR-alpha – der Bildungsfernsehsender des Bayerischen Rundfunks

„Für Geistreiches ist Fernsehen nicht geeignet“, so ein ehemals mächtiger Programmchef des Privatfernsehens – und noch heute scheint dieser Satz das Credo des Kommerzfernsehens zu sein, jedenfalls werden keine Kosten und Mühen gescheut, um Geistreiches aus dem Fernsehen fernzuhalten. Ignoranz oder Arroganz? – Zumindest eine Geringschätzung des Publikums.

Entgrenzung des Lernens

Nimmt man die neuere Weiterbildungsdebatte in den Blick, so kann man feststellen, dass sämtliche neueren Ansätze in der beruflichen Weiterbildung dadurch gekennzeichnet sind, dass man die Transferstrecke – zwischen Lernort und Anwendungsort – verkürzt. So hat das „Lernen am Arbeitsplatz“ sowie die Qualifizierung in dezentralen Lernortkombinationen, insbesondere in der betrieblichen Personalentwicklung, in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen (vgl. Dehnbostel 1996, 2001 a, b; Hanft 1997; Reinmann-Rothmeier/Mandl 2001). Parallel dazu schärfte die fernstudiendidaktische Diskussion um „das Verschwinden der Ferne im Fernstudium“ (Arnold 2000) den Blick dafür, dass der Distance-LearningMode nicht nur eine Form der Lernorganisation ist, in der die Transferstrecke prinzipiell kurz ist – die lernenden verbleiben häufig in ihren beruflichen und sozialen Bezügen, oftmals werden diese Bezüge auch bewusst aufgegriffen (z.B. in Projekt- und Abschlussarbeiten) – sondern dass das Distance Learning durch die Einbeziehung von Chat rooms, E-Mailing etc. auch zunehmend weniger durch „Distance“ geprägt ist.

Nachhaltiges Lernen in Erlebniswelten?

Die Entwicklung zu einer Wissensgesellschaft erfordert heute neue Anstrengungen in vielen gesellschaftlichen Bereichen, um das Ziel »zukunftsweisende Reformen« im Bildungssektor zu erreichen. Auf Einrichtungen wie Museen, Zoos, Themenparks und Science Center stützen sich zunehmend die Hoffnungen für eine frühzeitige Entwicklung von Lerninteressen und eine nachhaltige Anregung eines Lernens in der Lebenswelt. Lernen und Erlebnis lassen sich durchaus verbinden. Die so entstehenden hybriden Formen aus Unterhaltung und thematischen Lern-Arrangements stoßen beim Publikum auf steigendes Interesse. Für die Erziehungswissenschaft eröffnet sich hierdurch ein neues Forschungsfeld im Bereich des informellen Lernens. Der empirische Nachweis einer nachhaltigen, bleibenden Wirkung von erlebnisorientiertem Lernen in Freizeiteinrichtungen ist dabei ebenso ein anstrebenswertes Forschungsziel, wie die systematische Kategorisierung von Lerninhalten, Themen und geeigneten Lernszenarien. Mit diesen und weiteren Fragestellungen des informellen Lernens in Erlebniswelten befasst sich das Institut für Freizeitwissenschaft und Kulturarbeit (IFKA) e.V. Bereits in dem Projekt „Erlebnisorientierte Lernorte der Wissensgesellschaft“ wurden vielfältige Formen von Lernen in Freizeit-Erlebniswelten nachgewiesen, und es konnte abschließend festgestellt werden, dass informelle (Weiter-) Bildung und der Einstieg in eine Kompetenzentwicklung durchaus Besuchsergebnisse von erlebnisorientierten Freizeiteinrichtungen sein können (vgl. Nahrstedt u.a. 2002a). Das ebenfalls vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Folgeprojekt „Aktivierung und Qualifizierung erlebnisorientierter Lernorte“ (AQUILO) unter der Leitung von Prof. Dr. Renate Freericks zielt nun auf die Aktivierung dieser Potenziale für ein Nachhaltiges Lernen sowie auf die Optimierung von Lernszenarien mit der Intention, informelle Bildung in Freizeitzusammenhängen zu fördern. Möglichkeiten der Verzahnung informellen und formellen
Lernens (Knall 2002) gilt es dabei ebenfalls zu überprüfen.

Chancen formal organisierten Lernens

Lernen findet nicht allein in der Schule oder in Weiterbildungseinrichtungen, sondern auch außerhalb von ihnen statt. Diese Bereichsüberschreitung wird aktuell als Entgrenzung bezeichnet. Was präzise meint dieses Wort? Erfasst es ein bisher nicht bekanntes pädagogisches Phänomen, was den begeisterten Verweis auf diese „Neuentdeckung“ rechtfertigte? Ist – dies einmal unterstellt – hinreichend bedacht, welche Anforderungen in entgrenzten Feldern an den Lerner und seinen Rezeptionshorizont vorauszusetzen sind? Welche Bedeutung kommt Weiterbildungsinstitutionen in entgrenzten Sphären zu, müssen sie etwa unliebsame Konkurrenz fürchten? Diesen Fragen geht der Beitrag nach und verweist schließlich auf die Chance, die formal organisiertem Lernen zuwachsen könnte: dem entgrenzten Lerner erstens einen Rahmen zu bieten, innerhalb dessen er entscheidende Defizite aufarbeiten, zweitens aber der nicht von der Hand zu weisenden Gefahr begegnen kann, sein Lernen um die Dimension des Kritischen zu verkürzen.

Der Erfolg von ECSITE

ECSITE buchstabiert natürlich jeder erst mal falsch. Richard Gregory, Physiologieprofessor aus Bristol, ECSITE-Gründer und deren erster Präsident, hat das gewiss beabsichtigt, als er mit jugendlichem Enthusiasmus diesem Grüppchen seinen so leicht „misszuverstehenden“ Namen gab: ECSITE – European Collaborative for Science, lndustry and Technology Exhibitions. Der Name ist Programm und zugleich von einer Bescheidenheit, dass man kaum für möglich hält, welche Dynamik dieser lose Zusammenschluss von anfangs nicht einmal zwei Dutzend solcher Institutionen sehr schnell an den Tag legte und welche Reputation er in den 13 Jahren seiner Existenz weltweit erlangte.

Villa Hartenau

Erlebnispädagogische Projekte (EPP) geraten immer häufiger in öffentliche Kritik und werden gerne als steuerfinanzierte Urlaube für kriminelle Jugendliche diagnostiziert. Um pauschalen Verurteilungen entgegenzuwirken und den Nutzen von erlebnispädagogischen Projekten zu erfassen, sind Evaluationen solcher Projekte unumgänglich. In diesem Beitrag wird ein EPP beschrieben, die Evaluationsmethode und Ergebnisse dargestellt sowie auf die Notwendigkeit zur Weiterbildung von Betreuungspersonen hingewiesen.

Tourismus auf neuen Wegen

Der Urlaub als wiederentdeckter Ort des Lernens wird an Hand von zwei Beispielen aus dem österreichischen Alpenraum und einem mitten aus der Stadt Wien illustriert. Urlauberinnen setzen sich spielerisch-aktiv, emotional-authentisch mit regionaler Kultur auseinander. Das Fazit der Autorinnen: Erfolgreiche touristische Angebote können durchaus hohe Bildungsaspekte aufweisen, diese sollten aber im Marketing nicht so genannt werden.

Bildung oder Einbildung?

Erlebnisorientierte Lernorte werden immer häufiger gefordert. Sie sollen Lernanreize schaffen und bei der Realisierung des lebenslangen Lernens helfen. Gleichzeitig führen sie zur Entgrenzung: Freizeitorientierte Lernformen, Lernen im sozialen Umfeld, informelles Lernen – Stätten des alltäglichen Lebenszusammenhangs werden als Lernorte neu entdeckt oder teilweise dafür umgestaltet. Und: Es findet auch eine Entgrenzung der Lernthemen statt. Die Entwicklung erlebnisorientierter Lernorte im deutschsprachigen Raum markieren zwei Einrichtungen, die auf den ersten Blick überhaupt nichts miteinander zu tun haben: Die „Phänomenta“ (Flensburg) in Deutschlands Norden und der „Mystery Park“ (lnterlaken) im Herzen der Schweiz.

Lernen mit allen Sinnen

Was geschieht im Gehirn beim Besuch eines interaktiven wissenschaftlichen Zentrums? Wie viel wird tatsächlich in interaktiven wissenschaftlichen Zentren gelernt? Interaktive wissenschaftliche Zentren sind naturgemäß Bereiche des sozialen Austausches. Kombiniert man diesen sozialen Aspekt mit einer zweiten elementaren Eigenschaft interaktiver Zentren, nämlich der der Informationsübertragung durch die Sinne, erhält man ein Rezept für verbessertes Lernen und eine natürlich höhere Wahrscheinlichkeit, Erinnerungen hervorzurufen, verglichen beispielsweise mit einer Schule oder einem üblichen Arbeitsumfeld. Aber findet ein formeller Lernprozess tatsächlich statt?

Untersuchung entgrenzter Lernformen

Auf der Grundlage der Entgrenzungshypothese werden unterschiedliche Strukturtypen von Lernarrangements systematisiert und unterschiedliche Entgrenzungsformen dargestellt. Über bisherige Ansätze hinaus wird mit dem Konzept des „kompositionellen Lernens“ auf ein Arrangement aufmerksam gemacht, das durch das Zusammenwirken unterschiedlicher Zugangsweisen beim Individuum zustande kommt und das bisher weit gehend übersehen wurde. Mit drei qualitativen Fallbeispielen erfolgt ein probeweiser empirischer Zugriff; damit wird einerseits dieser Typus illustriert, andererseits werden versuchsweise einige Charakteristika herausgearbeitet. Damit soll ein Beitrag geleistet werden zur Grundlagenforschung der Andragogik.

Zusätzliche Information

Ausführung

Digitalausgabe, Printausgabe

Format

280 x 210mm

Druck

Komplett in Farbe!

Titel

Nach oben